Weltweit und seit jeher in allen Kulturen verbreitet, vermag das älteste Handwerk der Menschheit Gegensätze zu verbinden. Die Flechtkunst fügt biegsames Material zu einem stabilen Verbund.


Flechten:
flechten – ineinander verschlingen
germanisch: fleħtan
indogermanisch: pël – Textilien herstellen, falten, Tuch, Kleid


Materialien:

Weide (Salix)
Die Weide ist die älteste Kulturpflanze Europas und wird seit der Antike für Flechtwerke genutzt. Sie ist die edelste und vielseitigste unter den heimischen Flechtpflanzen. Die 300-400 verschiedenen Weidenarten zeichnen sich häufig durch unterschiedlich gefärbte Rinde aus. Diese Farbvarianten geben jedem Flechtwerk einen individuellen Charakter. Professionelle KorbmacherInnen nutzen vor allem Ruten, die in Weidenkulturen angebaut und sorgfältig gepflegt werden. Zwischen November und Februar, während der so genannten Saftruhe, werden die Weidenruten geschnitten.

Ungeschälte Weide
Weidenruten, die mit der Rinde verflochten werden.

Geschälte Weide
Geschälte Weiden gibt es unterschiedlichen Varianten:

geschälte (weisse) Weide
Die im Freien gelagerten Weidenruten werden im Frühjahr in 10-15 cm tiefes Wasser gestellt, bis sie zu treiben beginnen. Zu diesem Zeitpunkt kann die Rinde leicht mit der Schälklemme vom Holz gelöst werden. Anschließend werden die Ruten getrocknet.

gesottene (braune) Weide
Die Weidenruten werden in einem Siedekessel über Stunden gekocht, mit kaltem Wasser abgeschreckt, geschält und in der Sonne getrocknet. Die rotbraune Farbe bekommen die Ruten durch die in der Rinde enthaltene Gerbsäure (Salicil).

Espartogras (Lygeum spartum)
Das ausdauernde Espartogras wächst im südlichen Mittelmeergebiet. Seine nördlichsten Verbeitungsgebiete liegen in Spanien und Süditalien. Das Gras bildet 20 bis 80 Zentimeter hohe Horste, die häufig in großen Beständen wachsen.
Espartogras wird nach der Ernte getrocknet und selten naturbelassen verarbeitet. Meistens wird das Material erst gedroschen bis ein feinfaseriges Flechtmaterial entsteht. Es wird zur Herstellung von Seilen, Hüten, Schuhen (Espandillos), Taschen, Matten und auch Papier verwendet.

Binsen (Juncus)
Binsen gehören zu den ausdauernden Gräsern und zeichnen sich durch die starren, rundlichen und borstlich zugespitzten Blattspreiten aus. Sie wachsen bevorzugt an feuchten bis nassen, zum Teil überfluteten Standorten in Feuchtgebieten an Gewässern, in Mooren, Feuchtwiesen und in Sümpfen. Bei der Verarbeitung werden die Binsen zu Schnüren verdreht und diese Schnüre geflochten. Sie werden bevorzugt zu Sitzflächen von Stühlen, Taschen oder Schalen verarbeitet.